In Lüneburg spitzt sich die Diskussion um den geplanten Fahrradstraßenring weiter zu. Mehrere Ratsfraktionen fordern Änderungen, die das ursprüngliche Konzept deutlich abschwächen würden. Besonders an der Ilmenaustraße soll kein einziger Parkplatz entfallen. Damit steht ein zentrales Ziel des Radentscheids auf der Kippe.
Inhaltsverzeichnis:
- Streit um Ilmenaustraße und Parkplätze
- Kritik von Experten und Parteien
- Kosten, Fördermittel und Prioritäten
- Neue Projekte und interne Spannungen
- Debatten um Transparenz und Ratsarbeit
Streit um Ilmenaustraße und Parkplätze
SPD, CDU und FDP haben gemeinsam beantragt, die Ilmenaustraße als „unechte Fahrradstraße“ zu gestalten. Autos sollen weiterhin zugelassen bleiben und bestehende Parkflächen erhalten werden. Ihr Antrag sieht vor, keine baulichen Eingriffe vorzunehmen, die Anwohner, Lieferverkehr oder Gewerbetreibende einschränken. Außerdem soll die Aufenthaltsqualität am Ufer verbessert werden.
Die Grünen lehnen diesen Vorschlag entschieden ab. Sie unterstützen den ursprünglichen Plan der Initiative Radentscheid, der eine vollständige Entfernung der Parkplätze vorsieht. Ziel ist, mehr Platz für Radfahrende und Grünflächen zu schaffen. Bereits 2022 hatte der Stadtrat dem Radentscheid zugestimmt, nachdem über 7000 Unterschriften gesammelt worden waren.
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Kritik von Experten und Parteien
Die Diskussion um den Radring sorgt seit Monaten für Spannungen zwischen Politik und Bürgerschaft. CDU-Mitglied Chris Gerlach stellte im Mobilitätsausschuss das gesamte Konzept infrage. Auch die FDP sprach sich gegen eine „ideologische Verkehrspolitik“ aus. Cornelius Grimm und Frank Soldan kritisierten das Fehlen einer umfassenden Mobilitätsstrategie.
Unterstützung erhalten sie vom Verkehrsexperten Prof. Peter Pez von der Universität Lüneburg. Er begleitet die Entwicklung seit über 30 Jahren und hält den Ring in einer Stadt dieser Größe für wenig sinnvoll. Nach seiner Einschätzung wollen viele Radfahrer aus Orten wie Reppenstedt oder Bardowick direkt in das Zentrum fahren – nicht um die Stadt herum.
Kosten, Fördermittel und Prioritäten
Millionen Euro sollen in ein Projekt fließen, dessen Nutzen umstritten bleibt. Das bemängeln vor allem FDP und CDU. Sie verweisen auf den schlechten Zustand vieler Radwege, mangelnde Beleuchtung und fehlende Abstellanlagen am Bahnhof. Gleichzeitig würden Busverbindungen gekürzt und Haltestellen blieben oft unbeleuchtet oder nicht barrierefrei.
Ein Beispiel ist die Buslinie vom Kreideberg zum Markt, die mit dem neuen Fahrplan gestrichen werden soll. Das betrifft insbesondere ältere Menschen. Die FDP kritisiert, die Stadt investiere in „theoretische Konzepte“, während praktische Probleme ungelöst blieben.
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Neue Projekte und interne Spannungen
Auch innerhalb des Rathauses gibt es Uneinigkeit. Interne Dokumente deuten darauf hin, dass künftig Parkplätze am Markt wegfallen könnten. Davon wissen die Wochenmarktbeschicker bisher nichts. Sie betonen, dass Kunden ihre Einkäufe direkt ins Auto laden können müssen.
Im aktuellen Entwurf ist zudem ein „Fahrradparkhaus Neue Sülze“ vorgesehen. Laut Verwaltung handelt es sich dabei um eine kleine Anlage entlang der Westseite der Straße, nicht vergleichbar mit einem großen Parkhaus am Bahnhof. Noch existieren dazu nur erste Vorüberlegungen. Das bereits seit neun Jahren geplante Fahrradparkhaus am Bahnhof konnte bislang wegen fehlender Fördermittel nicht umgesetzt werden. Die Opposition schlägt nun vor, Gelder von der Ilmenaustraße dorthin umzuleiten.
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Debatten um Transparenz und Ratsarbeit
Neben der Verkehrspolitik steht auch die Arbeit der Verwaltung in der Kritik. Marianne Esders von der Linken forderte eine Übersicht über alle Ratsanträge und deren Bearbeitungsstand. Die Verwaltung lehnte ab – zu komplex. FDP-Politiker Grimm stellte ähnliche Fragen zur Bauverwaltung, erhielt aber ebenfalls keine Antwort. Er wundert sich, da das Landesamt für Statistik entsprechende Daten für 2024 bereitstellen konnte.
Zudem verlangt die SPD Änderungen im Ablauf der Ratssitzungen. Sie wirft der Oberbürgermeisterin vor, die Mitteilungen der Verwaltung zur persönlichen Bühne zu machen. Das Rathaus weist die Kritik zurück.
Die entscheidende Ratssitzung findet am Donnerstag um 17 Uhr in der Ritterakademie statt. Dort soll endgültig über die Zukunft des Fahrradstraßenrings entschieden werden. Die Linke hat inzwischen mitgeteilt, dass sie die Position der Grünen unterstützt.
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Quelle: Lüneburg Aktuell, WEBRIVAIG