Die geplante Alkoholverbotszone in der Lüneburger Innenstadt stößt auf deutliche Kritik. Die Partei Die Linke Lüneburg stellt den Ansatz der Stadtverwaltung infrage. Im Mittelpunkt steht die Sorge um soziale Folgen. Fachstellen aus der Wohnungslosen- und Suchthilfe äußern seit Jahren ähnliche Warnungen, auch vor dem Hintergrund laufender Debatten zur Neugestaltung der Innenstadt.
Inhaltsverzeichnis
Die Linke Lüneburg
Die Linke Lüneburg kritisiert die geplante Maßnahme als ordnungspolitischen Eingriff ohne nachhaltige Wirkung. Nach Ansicht der Partei zielt das Verbot nicht auf Problemlösungen ab. Es führe vielmehr zur Verdrängung wohnungsloser und suchtkranker Menschen aus der Innenstadt. Die sozialen Ursachen blieben unverändert bestehen. Gleichzeitig würden bestehende Konflikte lediglich räumlich verschoben, was auch im Zusammenhang mit dem Wohnungsmangel im Landkreis Lüneburg diskutiert wird.
Thorben Peters
Thorben Peters, Oberbürgermeisterkandidat der Partei, lehnt Alkoholverbotszonen ausdrücklich ab. Er erklärt wörtlich:
„Alkoholverbotszonen schaffen keine Sicherheit, sie verdrängen Menschen in Not lediglich aus dem Sichtfeld und sind zugleich reine Symbolpolitik zum Schaden der Ärmsten. Wer den Menschen den Platz in der Altstadt nimmt, drängt sie zwangsläufig in Wohngebiete und ruhigere Viertel. Das kann doch nicht ernsthaft das Ziel einer verantwortungsvollen Stadtpolitik sein.“
Nach seinen Angaben erhöhe sich dadurch der Druck auf angrenzende Wohnquartiere.
Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe
Fachorganisationen teilen diese Einschätzung seit Jahren. Dazu zählt unter anderem die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sowie mehrere Verbände der Suchthilfe. Sie sprechen sich gegen rein ordnungspolitische Instrumente aus und fordern sozialpolitische sowie gesundheitsorientierte Konzepte. Nach Einschätzung dieser Stellen lösen Verbote keine sozialen Probleme. Sie verschärfen häufig die Lage der Betroffenen.
Peters verweist dabei auf konkrete Folgen. Er sagt:
„Verbotszonen halten Menschen gezielt von niedrigschwelligen Hilfsangeboten fern und verschlechtern ihre gesundheitliche Situation.“
Betroffene würden in abgelegenere Bereiche gedrängt, Sozialarbeit erreiche sie dort seltener. Hilfestrukturen brächen ab. Der Alkoholkonsum erfolge schneller und risikoreicher. Zusätzlich führten Bußgelder und Ordnungsstrafen zu wachsender Armut, was laut Fachstellen durch mehr Straßensozialarbeit abgefedert werden könnte.
Marianne Esders
Marianne Esders, Mitglied des Stadtrats für Die Linke, fordert einen Kurswechsel. Sie appelliert an den Rat der Stadt, auf die Einführung der Verbotszone zu verzichten. Stattdessen solle konsequent auf soziale Maßnahmen gesetzt werden. Dazu zählt sie konkret:
- den Ausbau von Streetwork
- niedrigschwellige Angebote der Suchthilfe
- mehr Wohnangebote nach dem Prinzip Housing First
- betreute Aufenthaltsorte im öffentlichen Raum
Nach Angaben der Partei lassen sich Konflikte nur durch Investitionen in soziale Infrastruktur langfristig reduzieren. Ziel sei eine messbare Verbesserung der Lebenssituation wohnungsloser und suchtkranker Menschen.
FAQ
Worum geht es bei der geplanten Alkoholverbotszone in Lüneburg?
Geplant ist eine Alkoholverbotszone in der Lüneburger Innenstadt, die den Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum einschränken soll.
Warum kritisiert Die Linke Lüneburg diese Maßnahme?
Die Linke Lüneburg sieht in der Alkoholverbotszone eine ordnungspolitische Maßnahme, die soziale Probleme nicht löst, sondern wohnungslose und suchtkranke Menschen verdrängt.
Welche Folgen befürchtet Thorben Peters durch das Alkoholverbot?
Thorben Peters warnt vor einer Verdrängung betroffener Menschen aus der Innenstadt in Wohngebiete und ruhigere Viertel sowie vor einer Verschärfung sozialer Konflikte.
Wie positioniert sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe?
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe spricht sich seit Jahren gegen rein ordnungspolitische Maßnahmen aus und fordert sozialpolitische sowie gesundheitsorientierte Lösungen.
Welche Auswirkungen haben Verbotszonen laut Kritikern auf die Betroffenen?
Nach Einschätzung der Kritiker verschlechtern Verbotszonen die gesundheitliche Situation der Betroffenen, erschweren den Zugang zu Hilfsangeboten und erhöhen das Risiko von Armut durch Bußgelder.
Welche Alternativen fordert Marianne Esders?
Marianne Esders fordert unter anderem den Ausbau von Streetwork, niedrigschwelliger Suchthilfe, mehr Wohnangebote nach dem Prinzip Housing First sowie betreute Aufenthaltsorte im öffentlichen Raum.
Quelle: Lüneburg Aktuell, GLOBEWINGS