(2/2000):   

Salzspiegel 2/2000
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Tiefe Risse im Salz

Aus für Morsleben – das Atomendlager muss zugeschüttet werden

Bereits nach vierzehn Jahren kracht im Morslebener Endlager die Salz-Decke ein. Ob Gorleben wohl hunderttausen Jahre hält?
Foto: ?/Greenpeace


 

Im bisher einzigen deutschen Atomendlager in Morsleben besteht akute Einsturzgefahr. Nur vierzehn Jahre nach Inbetriebnahme wurden im Salzgestein tiefe Risse entdeckt. Jetzt muss das Endlager zugeschüttet werden, weil bis zu tausend Tonnen schwere Salzbrocken auf die Fässer krachen könnten. Doch damit ist die Gefahr einer radioaktiven Verseuchung noch nicht gebannt. Wassereinbrüche drohen, das Salz aufzulösen und die Behälter zum Rosten zu bringen.

Bis vor zwei Jahren noch wurden die Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in das ehemalige Salzbergwerk gekippt, wo sie Tausende von Jahren sicher lagern sollten. Davon jedenfalls war die heutige CDU-Chefin Angela Merkel stets überzeugt. 1994 sorgte die damalige Bundesumweltministerin durch einen juristischen Trick dafür, dass das von den DDR-Behörden genehmigte Endlager nach dem Einigungsvertrag wieder eröffnet wurde. Erst 1998 wurde die Einlagerung durch Umweltminister Trittin gestoppt.

Die mit dem Zuschütten der Hohlräume begonnene „Gefahrenabwehr“, so verkündete jetzt Trittin, sei zum Schutz der Bevölkerung dringend geboten. Es werde ein deutliches Signal „für den festen Willen der Bundesregierung gesetzt, das Lager stillzulegen“. Bleibt zu wünschen, dass Trittin in Gorleben ähnliche Vorsicht walten läßt. Vielleicht sollte er besser auf den Hamburger Geowissenschaftler Eckhard Grimmel hören, der schon 1996 in einem Gutachten zu Morsleben ein „baldiges Absaufen“ und massive „Deckgebirgseinbrüche“ prognostizierte. Vor dem Endlager in Gorleben warnt Grimmel wegen des löchrigen Deckgebirges schon seit über fünfzehn Jahren.

 
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